Dr. phil. Dirck Linck
Literaturwissenschaftler

“Man konnte draufkommen, daß das wichtigste Tier auf der Welt die Giraffe war. Daß all das, was die Menschen die ganze Zeit falsch gemacht hatten, und was sie weiterhin falsch machen würden, schon klar, wer hätte es ihnen verwehren oder gar ausreden sollen, nur deshalb falsch gemacht worden war, weil es keine Tradition bei den Menschen gab, sich Giraffen als Haustiere zu halten. Die Großzügigkeit, die eine richtige Hege und Pflege von Giraffen zwangsläufig fordert und lehrt, wäre es gewesen: die Eigenschaft, die die Menschen gut machen würde.”
Dietmar Dath

Veröffentlichungen u.a.

Abfälle: Stoff- und Materialpräsentation in der deutschen Pop-Literatur der 60er Jahre. Bei Amazon bestellen.
Weitere Veröffentlichungen.

Zum Werk Hubert Fichtes

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Bei Transcript erschienen: Ein Band mit Beiträgen zu “Prekären Genres” und zum Genrebegriff vor dem Horizont von Derridas “La loi du genre”.
Darin mein Text zu Fichtes Übereinanderblendung von Roman und Feature.

Weitere Informationen hier

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1. Radiofeaturesymposion an der Eider

1. Radiofeaturesymposion an der Eider

»Etwas ist da, unüberhörbar, eigensinnig, was jenseits der Bedeutung der Wörter liegt.«

10.-12. Dezember 2010

Leitung: Michael Lissek

Das Feature ist die letzte Phantasmagorie, die sich die öffentlichrechtlichen Anstalten leisten. Jährlich werden im Auftrag der ARD hunderte von Features produziert. Fragt man jedoch einen der Feature-Akteure, was das sei, das Feature, wird es still. In einem nur istman sich einig: Irgendetwas hat das Feature mit Kunst zu tun und irgendetwas mit Journalismus. Das Feature sei eine »künstlerisch gestaltete Dokumentation«, heißt es. Aber wo steckt sie: die Kunst? Und was wird hier dokumentiert und mit welchen Mitteln? Das Feature »als solches« existiert nicht. Seine Formen sind zu vielfältig, und sie erstrecken sich von der Klangcollage zum qua Regie zum Klingen gebrachten AutorInnentext. Und der Versuch, das Feature über seine Inhalte zu fassen, scheitert gänzlich: Das Leben der Hyäne & das Sterben der Hühner, ein vergessener elsässischer Dichter, eine Wanderung über die Alpen, die Kurfürstenstraße in Berlin, Karaokesänger ebendort, Tupperparties im Rheinland und Schönheitsoperationen in Los Angeles: Nein, Themenauflistungen helfen nicht weiter, dem Feature näher zu kommen. Bisher haben auch nur wenige versucht, sich dem Feature schreibend zu nähern. Der bisherige, rudimentäre Featurediskurs ist ein pragmatischer, der Fragen nach Mikrofonposition und dem richtigen Aufnahmemedium zu klären versucht. Die »Lesbarkeit« des Features, seine Materialität und Rhetorik bleiben unbehandelt.

Das 1. Radiofeaturesymposion an der Eider möchte dem Abhilfe schaffen. Keine repressiven Definitionen (er)finden, wohl aber den (medien- oder literaturwissenschaftlichen, semiologischen, auch historischen) Diskurs zu einem unerkannten, akustisch-literarischen Genre anstoßen. Weil das Feature etwas sagt, was nur das Feature sagen kann. Durch seine genuinen Verfahrensweisen (der Montage von Geräuschen, O-Tönen und Musiken) schreibt es dem Radio etwasein, das zwischen Information und Narration, zwischen Wahrheit und Schönheit schwebt. Im Kontext des Features wird selbst die eindeutigste Aussage vieldeutig. »Etwas ist da, unüberhörbar, eigensinnig, was jenseits der Bedeutung der Wörter liegt…« (Roland Barthes)
Das Feature: Eine Phantasmagorie?

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